Der Abschluss
Projektarbeit
Im Grossen und Ganzen bin ich zufrieden mit meiner
Projektarbeit. Obwohl nicht alles so gelaufen ist, wie ich mir das zuvor
vorgestellt habe, konnte ich meine Projektarbeit mehr oder weniger, wie im
Project Proposal, geplant durchführen. Die drei Monate welche ich hier verbringen
durfte, sind etwas knapp um signifikante Resultate zu erlangen. Jedoch wird das
Projekt mit meiner Abreise nicht sofort gestoppt, sondern die Applikationen
werden ein Weilchen weitergeführt und wichtige Ereignisse und Resultate werden
mir mitgeteilt. Jedoch kann ich jetzt schon grob feststellen welche Präparate
die Tomaten besser gegen Pilzbefall schützten und welche leider keine grosse
Wirkung erzielten. Bei dem ganzen Versuchsaufbau gilt allerdings zu
berücksichtigen, dass nicht alle Tomaten die gleichen Bedingungen haben. Einige
waren schon grösser, als ich mit dem
Versuch begann, einige noch ganz klein und einige mussten ersetzt werden.
Ausserdem sind zwei Parzellen überdacht und zwei in einem Gewächshaus, der Rest
ist unter freiem Himmel. Zusätzlich sind die Tomaten in den verschiedenen
Parzellen mit unterschiedlichen anderen Kulturen angepflanzt, was auch einen
Einfluss hat. Allerdings konnte ich nicht weiter auf diese Faktoren eingehen,
da dies die Gegebenheiten sind und ich sie nicht ändern konnte. Dies entspricht
zudem auch der Realität, denn die Tomaten werden einfach dort gesät wo es
gerade Platz hat und somit variieren die Parzellen sehr.
| Eine Tomate die wunderbar gewachsen ist und bereits blüht. Daneben mein Spritzgerät. |
| Die Austernpilze, kurz vor der Erntereife |
IZA und leben im Ausland
Die Zeit welche ich hier in der wunderschönen, grünen Kaffee
Zone erleben durfte, hat mir sehr gefallen. Da es eine sehr regnerische Zeit
war, habe ich die sonnigen Momente umso mehr genossen. Rückblickend habe ich
die übliche Arbeit auf der Finca sehr genossen, die Ruhe und der Einklang mit
der Natur. Daneben war es sehr schön die anderen Freiwilligen kennenzulernen,
welche aus der ganzen Welt kamen und interessante Reisegeschichten zu erzählen
hatten. Noch eindrücklicher war der Einblick in das übliche Leben der
Kolumbianer auf dem Land. Leider wird die Landbevölkerung oft vergessen, da der
Grosssteil in den Städten wohnt. Dennoch sind die Menschen hier sehr fröhlich
und herzlich. Auch wenn die schlechten Strassen nach starken Regenfällen nicht
mehr befahrbar sind und man zu Fuss gehen muss. Ein weiterer Moment der mir
stark in Erinnerung blieb, ist als wir mit der Organisation zusammen nach
Armenia fuhren um gegen die Mega Minerie zu demonstrieren. Die Anwesenden waren
alle sehr friedlich gestimmt und protestierten gemeinsam für ihr Recht nach
einer intakten Umwelt und gegen die Verschmutzung ihres Wassers. Neben der
Arbeit auf der Finca „Los Andes“ hat mir die Arbeit auf der Finca eines
befreundeten Schamanen sehr gefallen. Neben vielen Medizinalpflanzen hat er
dort auch Kaffee, welcher aber nicht als Monokultur angepflanzt ist sondern im
Dschungel, in mitten von den natürlich wachsenden Pflanzen und Bäumen. Sein
Kaffee ist somit sehr produktiv und gesund und das ganz ohne die Anwendung von
Chemie. Neben der Arbeit die wir dort verrichten durften, wie das Ablesen von
Kaffee oder das Roden einer kleinen, sehr steilen Parzellen, sowie das
anschliessende säen von Bohnen, hat mir die Arbeit dort so gefallen, da Mario
ein sehr interessanter, spiritueller Mann, mit einem grossen Wissen über
Pflanzen und Menschen ist, die Zeit dort hat mich sehr beeindruckt.
| Kleine Bohne, welche wir auf Marios Finca säen durften. Weiter unten, unberührte Wildnis. |
| Weg von Marios Haus, zu den Kaffeepflanzen |
| Gruppenfoto von Freiwilligen, sowie Sebas (3 v.l.) und Adrian (2 v.r.), den kolumbianischen Festangestellten. Hier bei Marios Finca. |
Die schwierigste Zeit meines Praktikums, war der Anfang. Ich kam mit etwas anderen Vorstellungen hier an, als es schlussendlich Realität war. Zum einen ist die Finca weiter abgelegen, als ich dachte. Somit war ich mir zu Beginn nicht sicher ob ich drei Monate in der Provinz verbringen kann. Doch nach den ersten zwei Wochen, der Einarbeitung in mein Projekt, dem ersten Wochenende hier und dem kennenlernen Aller, hat sich das schnell gelegt und ich hab mich den Rest der Zeit hier sehr wohl gefühlt und die Abgelegenheit genossen. Zum anderen hat das Wetter meine Stimmung anfangs aber auch während der ganzen Praktikumszeit, etwas gedrückt. Es regnete enorm viel, wodurch wir die Nachmittage oft drinnen verbringen mussten. Zudem war die Temperatur vor allem abends recht kühl, dadurch wurde es abends etwas langweilig weile s ungemütlich war lange Zeit draussen im kühlen zu sitzen. Doch mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und schlussendlich ist es auch positiv, dass ich in dieser, doch auch anstrengender Zeit, immer früh schlafen gehen konnte.
Wie mir schon bewusst war, ist es nicht sehr einfach in der
Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten. Zum einen weil die Organisation hier
ganz anders abläuft, als in der Schweiz. Oft werden die Pläne alle fünf Minuten
geändert und es ist schwierig sich genau vorzubereiten, da man nie weiss, was
der Tag mit sich bringt. Daneben habe ich das Gefühl das Tipps und Anregungen
nicht immer willkommen sind. Zum einen liegt das wohl daran, dass Anregungen
kulturell Bedingt allgemein nicht gern gehört werden, zum anderen wohl erst
recht nicht von Ausländern und wahrscheinlich noch weniger von einer Frau. Hier
war das nicht ganz so prekär, da ich Praktikantin war wollte ich auch selber
mehr lernen und habe versucht Verbesserungsvorschläge im Kleinen zu halten. Ich
denke in anderen Ländern und wenn man Festangestellt ist oder sogar in der
Projektleitung ist, kann dies tatsächlich zu einem grossen Problem werden.
Obwohl mir die Zeit hier gefallen hat und mir vor allem
Kolumbien und seine Natur sehr zusagen, hat mir die Zeit hier auch gezeigt,
dass das Leben in der Schweiz sehr angenehm ist. Gerade für Bauern wird in der
Schweiz verhältnismässig sehr viel gemacht und sie erhalten Unterstützung, was
in Kolumbien überhaupt nicht der Fall ist. Darum denke ich, falls ich selber in
der Landwirtschaft arbeiten und Nahrungsmittel produzieren will, ist die
Schweiz sicher ein geeignetes Land. Dennoch interessiert es mich nach wie vor,
zumindest für eine gewisse Zeit, in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu
sein oder zumindest in gewissen Projekten, die ich mit gutem Gewissen
unterstützen kann, in anderen Ländern mitzuwirken.
Interkulturelle Kommunikation
Die Zusammenarbeit in dem Team mit den drei Kolumbianern
verlief gut. Wenn es auch öfter etwas mangelnde Kommunikation gab und es nicht
immer ganz klar war, was es nun zu tun gibt. Oft wurden die Pläne auch alle
fünf Minuten geändert und schlussendlich erledigten wir eine völlig andere
Arbeit als geplant. Dies war manchmal etwas anstrengend und frustrierend, wenn
man sich bereits auf etwas vorbereitet hat und es dann doch nicht zustande kam.
Mit der Zeit kannte ich jedoch die meisten Arbeiten und konnte auch selber
sehen was zu tun war, neben meiner Projektarbeit. Auch das Arbeiten mit den
anderen Freiwilligen verlief immer gut. Die meisten von ihnen haben in der
Schule mitgeholfen und nicht auf der Farm, somit habe ich nur wenig mit ihnen
zusammengearbeitet.
Trotzdem war es auch gut einmal in einem Umfeld zu arbeiten,
das ein wenig anders funktioniert. Es ist nicht immer alles durchgeplant und
oft wird spontan entschieden was, wie gemacht wird. Das hat mich gelehrt die
Dinge lockerer anzugehen und immer zu versuchen das Beste aus einer Situation
zu machen. Dennoch ist es wichtig eine klare Kommunikation zu haben, gerade
wenn Personen aus verschiedenen Kulturen zusammen arbeiten. Denn für die einen
mag klar sein, dass das geplante und besprochene nicht völlig ernst zu nehmen
ist und mit Änderungen gerechnet werden muss. Andere jedoch halten sich streng
an das Geplante und können dann verärgert werden, wenn am Schluss alles anders
kommt. Damit es nicht zu solchen Spannungen kommt sollte sich das Team gut
kennen und sich an eine gewisse Organisation halten.
Liebe Lara, dein IZA neigt sich dem Ende zu und ich lese deinen jüngsten Beitrag. Was mir bei diesem Beitrag wieder auffällt, dass du in weiten Teilen wenig konkret wirst. Ich möchte das an einem Beispiel illustrieren. Im dritten Abschnitt deines Blogs schilderst du, wie dich der Garten des Schamanen Mario sehr beeindruckt hat. Da würden mich natürlich viele Details interessieren: aus welchen Pflanzen die natürliche Vegetation dann besteht, der Aufbau dieses System mit Wuchsformen und Arten, was für Medizinalpflanzen sich hier zusammenfinden, welche Wirkungen ihnen zugeschrieben werden, deren Zubereitungen oder ein paar Bilder, ein Plan - wenn auch nur ein Ausschnitt - oder eine Handskizze dieses Wundergartens. Oder vielleicht einfach, was zwischen dem Pflücken der Kaffeekirschen und meiner Tasse Kaffee auf dem Tisch so alles passiert. Oder welche Rolle ein Schamane in seinem Umfeld einnimmt. Du siehst - ich bin immer noch etwas neugierig ;-). Hansruedi
AntwortenLöschenLieber Hansruedi
LöschenNun komme ich endlich dazu deine Fragen zu beantworten. Auch einige Bilder konnte ich nun hochladen :)
Leider muss ich gleich zugeben, dass meine Pflanzenkenntnisse nicht ausreichend genug sind, um alle wilden Pflanzen zu bestimmen.
Die Medizinalpflanzen, welche Mario hauptsächlich auf seiner Finca hat und verwendet, sind folgende:
- Mano de Dios (Xiphidium caeruleum)
- Brétonica (Stachys officinales)
- Ortica (Urtica)
- Borrachero (Methysticodendron amesianum)
- Cannabis (Cannabis sativa)
- Yagé (Banisteriopsis caapi)
Die meisten dieser Pflanzen wachsen in dieser Klimazone natürlich. Was ich daneben auf meinen Wanderungen oft antraf sind folgende:
-Alpina purpurata
-Strelitzia reginae
-Heliconia psittacorum
-Polypodiopsida
-Cytheales
-Zingiber officinale (Wildform)
-Curcuma longa (Wildform)
-Bambus
-Guadual
-Papyrus
-Ceiba
Ich hoffe soweit konnte ich dir schon einmal einen kleinen Eindruck, der vorherrschenden Vegetation geben.
Zur Kaffeeverarbeitung, habe ich im zweiten Eintrag schon einige Bilder hochgeladen. Die Kaffebauern kultivieren den Kaffee, ernten in, trennen die Bohnen von den Kirschen und trocknen die Bohnen. Anschliessend werden die getrockneten Bohnen an Kooperativen verkauft, welche die Preise abhängig von der Marktlage bestimmen. Dementsprechend gering ist oft die Bezahlung an die Bauern. Die Kaffebohne kommt danach in eine Rösterei oder wird schon jetzt exportiert. Die Bohnen kommen dann erneut in eine Mühle um sie von ihrer zweiten Haut zu trennen. Übrig bleibt dann die Kaffeebohne wie wir sie kennen aber noch grün. Der nächste Schritt ist dann die Röstung, welche den Kaffeegeschmank erst richtig hervorbringt und die Bohne braun färbt. Entweder wird sie dann noch klein gemahlen oder kommt als ganze Bohne in den Verkauf.
Ich hoffe ich konnte deine Neugier etwas stillen, beantworte aber gerne noch weitere Fragen :)
Liebe Grüsse
Lara