Erste Eindrücke
Die Reise nach Barcelona Alta stellte sich als länger
heraus, als ich es mir vorgestellt hatte. Am frühen Morgen wurde ich am
Flughafen von Armenia von Juan, dem Projektleiter, abgeholt und es ging mit dem
Auto zur Finca Loma Verde. Dies führte zuerst durch die Stadt Armenia und nach
einiger Fahrt über Land durch das nächste Dorf Circasia. Von dort aus geht es
über holprige Strassen mit dem Auto etwa 20 Minuten zur Finca. Diese liegt
ausserhalb in den üppig grünen Hügeln der Kaffeeregion Kolumbiens. Nebst
anderen Fincas, die hauptsächlich Kaffee anbauen sowie Bananen, gibt es hier
nicht viel.
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| Ausblick aus der Finca "Loma Verde" |
Zum Kern von Barcelona Alte, wo auch die Schule liegt, geht es zu
Fuss etwa eine Stunde. Nach einigen Tagen Eingewöhnungszeit in dieser, im
Vergleich zur Schweiz, doch etwas abgelegenen Gegend gefiel mir die Vorstellung
hier die nächsten drei Monate zu verbringen. Auch wenn die weitläufigen grünen
Hügel, der Umgebung, auf den ersten Blick als unberührte Wildnis erscheinen,
stellt man bei genauerem Hinsehen schnell fest, dass auch hier die Menschen die
überhand haben und vieles dem Mensch entsprechend verändert, sowie ein grosser
Teil der Fläche durch ihn kultiviert ist.
Die freiwilligen Helfer, welche für die Organisation Futuro
con Futuro arbeiten, wohnen alle zusammen in der Finca Loma Verde. Mit ihnen
wohnen die beiden Kolumbianer Sebastian und Adrian, welche Festangestellt sind.
Die meisten Freiwilligen bleiben für ein bis zwei Wochen hier, einige auch
länger. Sie kommen hierher und machen einen längeren Aufenthalt auf ihren
Reisen, welche sie oft durch ganz Südamerika führt. Viele Nutzen die
Möglichkeit einen Aufenthalt an einem Ort zu machen wo sie eine Gemeinnützige
Organisation unterstützen können und dafür eine günstige Unterkunft bekommen.
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| Vorplatz der Finca "Loma Verde" |
Daneben gibt es die Finca Los Andes. In dieser Finca wohnen
die Projektgründer Juan und Eva mit ihrer Tochter Lia. Sie haben diese Finca
vor rund vier Jahren übernommen und möchten dort einen Ort schaffen, an dem sie
genug Lebensmittel produzieren können, um zu einem grossen Teil als
Selbstversorger leben zu können, sowie genügend Lebensmittel für die Freiwilligen
in der Finca Loma Verde zu haben.
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| Veranda von "Los Andes", umgeben von den neun Hektaren Land. |
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| Clarita, das Schaf, welches auf "Los Andes" lebt, umgeben von einigen der ebenfalls wohnhaften Hühnern. |
Der Anbau wird auf rein biologischer Basis
geführt. Dafür benötigt es viel Wissen und Erfahrung. Darum werden stetig neue
Anbausysteme ausprobiert, sowie verschiedene Präparate zur Bekämpfung von
Schädlingen und Pilzen hergestellt und natürlich auch verschiedene Dünger. Sind
diese erfolgreich, ist das Ziel sie anderen Kleinbauern zu zeigen und so zu
versuchen, die Kleinbauern in der Umgebung von einem biologischen Anbau zu
überzeugen.
Daneben ist die Organisation auch sozial engagiert. Sie
bemühen sich sehr den rund 70 Schülern, der öffentlichen Schule von Barcelona
Alta, zusätzlichen Lernstoff zu vermitteln. Dies in Form von
Englischunterricht, Workshops zu verschiedenen Themen wie Recycling oder
biologische Landwirtschaft, sowie Kunst und Musik. Dies geschieht wiederum mit
Hilfe der zahlreichen Freiwilligen, welche die Kinder unterrichten.
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| Innenhof der Schule von Barcelona Alta |
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| Mauer, welche die Schule umgibt. Diese wurde von der Organisation und den Schülern bemalt |
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| Ein weiteres Bild der Mauer, welche die Schule umzäunt. |
Die Projektarbeit
In dem landwirtschaftlichen Teil, der Organisation Futuro
con Futuro, steht die biologische Produktion von Lebensmittel für den
Eigengebrauch im Fokus. Die Finca wird nun seit vier Jahren von Juan geführt,
doch davor hatte er keine grosse Kenntnis im biologischen Anbau. In den vier
Jahren ist er zu grossem Wissen gekommen, doch nach wie vor wird viel
ausprobiert und muss gelernt werden. Vor allem der Pflanzenschutz und die
Düngung stellen hier eine grosse Herausforderung dar. Denn anders als in der
Schweiz, wo biologische Pflanzenschutzmittel, sowie Dünger gekauft werden
können, ist der Markt in Kolumbien sehr klein. Darum muss das meiste selbst
hergestellt werden.
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| Beet Nummer vier, welches nicht Überdacht ist. Diese Tomaten sind (noch) frei von Pilzbefall und werden mit dem Präparat aus Avocado behandelt. |
Ziel ist es so herauszufinden, welches Präparat am besten
gegen Pilzbefall wirkt oder Pilzbefall vorbeugt. Sobald wir dieses Wissen
haben, soll dieses an die Bauern in der Umgebung weitergegeben werden und so
verhindert werden, dass sie Fungizide verwenden.
Die Präparate konnten wir bereits in der zweiten Woche
meines Praktikums herstellen. Ich konnte sie dann bereits auf die Tomaten
applizieren. Allerdings mussten noch einige Beete vorbereitet, sowie mit
Tomaten bepflanzt werden. Zudem bauten wir für zwei der Beete Dächer, um sie
vor dem starken Regen zu schützen. Letzte Woche wurde alles fertiggestellt.
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| Eines der selbstgebauten Regendächern, über dem Tomatenbeet 7 |
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| Ein frisch gepflanzter Tomatensetzling, unter dem Regendach. Alle Tomaten sind mit einem Bambusstock markiert. |
Somit müssen nun etwa alle zwei bis drei Wochen neue Präparate hergestellt
werden, sowie die Applizierungen durchgeführt werden. Es bleibt zu hoffen, dass
bis Ende meines Praktikums bereits Resultate ersichtlich sind.
Daneben helfe ich in verschiedenen, anfallenden Arbeiten auf
der Finca mit und hin und wieder helfe ich in der Schule mit.
Quellen:
Alle Bilder von Lara Frei
Liebe Lara, erst jetzt komme ich dazu, deine ersten beiden Blogeinträge zu lesen. Du führst dein Tagebuch recht genau anhand der Anleitung. Deine Schilderungen machen mich neugierig auf noch vieles anderes in deiner Umgebung. Als gebürtiger Zierpflänzler würde es mich natürlich schwer interessieren, was du an Wildpflanzen vorfindest, ganz abgesehen von der Fauna, die sicher auch präsent ist.
AntwortenLöschenZu deinem Projekt: wahrscheinlich kannst du in der abgelegenen Situation nur wenig Bilder auf den Blog laden. Ich hätte aber trotzdem gerne einen Eindruck erhalten, wie deine Tomatendächer aussehen, wie dein Versuchssetting im Detail aussieht, das Prozedere der Zubereitungen, die du machst und natürlich die Pflanzen etwas detaillierter. Den Avocado kenne ich natürlich; Ortiga und Masequia sind mir unbekannt. Hast du etwas Messtechnik bei dir, damit du das Klima deiner Tomatenversuche nachverfolgen kannst? Wenn nicht, eine Handaufzeichnung von Temperatur - und falls möglich Luftfeuchte - an typischen Tagen (sonnig, bedeckt, regnerisch) würde auch schon helfen. Und ergäbe interessante Rückschlüsse auf einen allfälligen Befall oder Krankheitsverlauf. Dann auch die Tomatensorten, mit denen du arbeitest und das Bewässerungsverfahren: Sorte und Blattnassdauer sind wichtige Faktoren in so einem Versuch.
Nachdem du ja schon eine Weile dort bist: machst du mal eine Reflektion zu den Dingen, die du siehst und erlebst? Z.B. macht es Sinn, gleich schon zu den Bauern zu gehen, wenn eines der Präparate zu wirken scheint? Oder: Wie bringst du die freundliche und hilfsbereite Art der Kolumbianer zusammen mit dem kruden Egoismus der staatlichen Funktionäre und Entscheidungsträger, die sich zuerst ihre eigenen Taschen füllen? Oder: Wie nachhaltig und wirkungsvoll empfindest du die Mission von Futuro con Futuro in der vorliegenden Form? Was läuft gut, was müsste dringend ändern? Und: was passiert mit dem säuberliche getrennten Abfall, wenn der mal abgeholt worden ist?
So hätte ich als bisher stiller Zaungast eine Menge Fragen nach der Lektüre deiner ersten beiden Blogs. Die sollst du nicht als Kritik sondern als Anregung verstehen. Ich wünsche dir viel Erfolg und noch viele spannende Erlebnisse bei deinem Aufenthalt!
Hansruedi
PS: falls ich dir in fachlicher Hinsicht Support geben kann, lass es mich wissen!